Kindern Halt und Stärke geben

Spendenauftakt - Weltladen unterstützt Schule in Äthiopien / Referenten geben Überblick über Zustände in strukturschwachem Land

Pfarrer Ralph Walterspacher aus Lauda und sein Vater Herbert Walterspacher erhalten vom Vorsitzenden des Vereins Weltladen Bad Mergentheim, Alois Baumann, einen Scheck über 2500 Euro für die Stiftung „Pro fratre et amico“.

7500 Euro will der Bad Mergentheimer Weltladen in diesem und im kommenden Jahr wieder für Hilfsprojekte spenden, zu denen eine Vertrauensperson einen eigenen Kontakt hat.

Bad Mergentheim. Erstmals wird der Erlös auf drei Projekte aufgeteilt. Die 2006 gegründete Stiftung „Pro fratre et amico“ erhielt bei der Adventsfeier des Weltladenteams einen Scheck über 2500 Euro. Für zunächst zwei Jahre will man die gesamten Kosten für eine Schulklasse tragen. Pfarrer Ralph Walterspacher aus Lauda und sein Vater, der Sparkassendirektor i.R. Herbert Walterspacher, der Gründer der Stiftung, stellten „ihr Projekt“ in der Martinusstube vor. Es wurde ein besonders spannender Abend rund um die Elementarschule der Steyler Schwestern in Alemtena, Äthiopien.

Um das Umfeld besser zu verstehen, gaben die Referenten einen Überblick über die Zustände im infrastrukturschwachen Äthiopien. Kilometerweit reihen sich, wenn man aus Addis Abeba hinaus-fährt, Gewächshäuser aneinander. Darin werden Schnittblumen für den Export produziert. Die Menschen haben Arbeit, aber der Einsatz von Pestiziden ist ein ernstes Problem. Langsam entwickelt sich auch Gemüseanbau, aber die Ware ist nicht für den heimischen Markt, sondern geht in die arabischen Länder. Auch viele junge Frauen gehen als „Haushaltshilfen“ nach Saudi-Arabien. Und im Land selbst wächst der Einfluss Chinas, das über die Finanzierung von Infrastruktur agiert. Betroffenheit macht sich breit, als Pfarrer Walterspacher erzählt, dass seinem Bruder, von Beruf Arzt, von einer alleinerziehenden Mutter angeboten wurde, ihr Kind mitzunehmen, weil sie in Äthiopien keine Perspektiven sehe. Gegen diese Perspektivlosigkeit gelte es anzuarbeiten. Sie könne letztlich nur in Äthiopien selbst beseitigt werden. Das werde immer wieder deutlich.

Die Gesundheitsversorgung ist bescheiden. Die Steyler Schwestern betreiben in Alemtena zwei Krankenstationen. Einen Arzt gibt es nicht, und die Einrichtungen sind in einem schlechten Zustand. Zum nächsten Krankenhaus sind es sechs bis sieben Stunden zu fahren. Eine neue Krankenstation soll entstehen. Begonnen hat die Hilfe für Alemtena mit einem dreijährigen Kindergarten mit Vorschulunterricht. Das kostet, ebenso wie Hilfsmittel und Spielgeräte, Geld. Die Schule in Alemtena wuchs immer weiter auf, und mittlerweile werden in einer Elementarschule in acht Klassen etwa 450 Kinder unterrichtet.

Die Stiftung „Pro fratre et amico“ unterstützt Lehrer, Unterrichtsmaterial, Mittagessen. Ziel ist es, den Schulbetrieb langfristig zu sichern; um bauliche Maßnahmen hat sich Caritas Bozen gekümmert. Und auch Polen aid hilft. Von dem jährlichen Budget für den Schulbetrieb, es sind rund 50 000 bis 60 000 Euro, bekommen die Lehrkräfte etwa die Hälfte. Das gibt ihnen ein sicheres Einkommen. Die Eltern müssen nach ihren Möglichkeiten einkommensabhängig durch Schulgeld beitragen; aber rund die Hälfte der Kinder kann keines bezahlen, und auch der anderen Hälfte fällt es schwer. Insgesamt kommen jährlich 6000 Euro zusammen. Wer die Elementarschule erfolgreich abgeschlossen hat, kann bis zur 11. Klasse auf eine staatliche Schule wechseln. Der weitere Bildungsweg wird weitgehend vom Staat reglementiert.

Wer in Afrika wirksam helfen will, das kommt Vortrag mehrfach zum Ausdruck, muss sich Strukturen aufbauen, die effizient funktionieren. Guter Wille allein reiche nicht. Zwölf Reisen haben Walterspachers schon für ihr Projekt auf sich genommen. In Afrika braucht es den persönlichen Kontakt zu den Menschen, mit denen man zusammenarbeiten will.

Die Faszination, die die Zuhörerinnen und Zuhörer an dem Abedn ergriffen hat, erwuchs vielleicht gerade daraus, dass hier keine heile Helferwelt vorgespielt wird, sondern der steinige Weg bis zum Erfolg.

Wohl keiner hat es bedauert, an diesem Herbstabend ins Gemeindehaus gekommen zu sein. Man ist sich beim Weltladen sicher, gut entschieden zu haben, „Pro fratre et amico“ zu unterstützen. Denn wer in den Ländern des Südens langfristig etwas zum Guten verändern will, der muss den Menschen dort die Chance geben, ihre Heimat zu verbessern. Lesen, Schreiben und Rechnen sind Schlüssel dazu.

Und auch die Erfahrung einer Kindheit in einer sicheren, friedlichen, kirchlich geprägten Gemeinschaft wird den Kindern Halt und Stärke geben. Dazu dient der faire Handel, und dafür setzt der Weltladen den gesamten Erlös aus dem Warenverkauf ein.