Lichterprozession zum Rosenkranz - Geburt einer neuen Tradition?

Knapp 200 Teilnehmer versammelten sich vor der Kapuzinerkirche um zum ersten Mal das Rosenkranzfest in einer etwas anderen Form zu begehen.

Jedes Jahr am 7. Oktober feiert die katholische Kirche das Rosenkranzfest, das dem Leben Mariens als Vorbild für unser Leben gewidmet ist. In vielen Kirchen finden im ganzen Monat Oktober Rosenkranzandachten statt.

Ein Rosenkranz soll der Legende nach dem Heiligen Dominikus Anfang des 13. Jhd von Maria persönlich übergeben worden sein, die ihn auch lehrte, wie man ihn beten sollte. Das Gleiche wird auch vom Hl. Bernhard von Clairvaux (1090-1153) berichtet. Noch vor Beginn des 16. Jahrhunderts kannte und schätzte fast ganz Europa den Rosenkranz. Der Rosenkranz ist ein betrachtendes Gebet, durch das man durch die Augen Mariens auf das Leben Jesu blickt.

Das Rosenkranzfest führt auf den Sieg bei der Seeschlacht von Lepanto zurück. Am 7. Oktober1571 besiegte eine zahlenmäßig unterlegene christliche Armada eine überlegene türkische Flotte. Der damalige Papst Pius V. hatte vor der Schlacht den Himmel um den Sieg angefleht und unablässig für den Sieg gebetet und in der Stunde der Schlacht, während er an der Spitze der Prozession der Rosenkranzbruderschaft durch die Straßen Roms zog, den Triumph der christlichen Waffen in einer Vision gesehen. Papst Gregor XIII. ließ dann den ersten Sonntag im Oktober als Rosenkranzfest in allen Kirchen feiern.

Nun zogen also in Bad Mergentheim die Teilnehmer, begleitet von der Wallfahrtskapelle, mit Kerzen im roten Windschutz in den Händen, durch die Stadt. An insgesamt sechs Stationen wurden die dort ausgewählten Marienstatuen kurz vorgestellt. Wir alle kennen diese Statuen, laufen wir doch fast täglich an ihnen vorbei ohne dass uns das bewusst ist. Es waren im einzelnen: die Lourdes-Grotte an der Kapuzinerkirche, die Marienfigur am Eckhaus Deutschordensplatz-Burgstraße, die Pilgermadonna im Pfarrgang, die Maria in der Außenwand der Spitalkapelle, die Pestsäulenmaria in der Mühlwehrstraße, der Marienbrunnen auf dem H.-H.-Erler-Platz. Schwester Katharina und Claudia Michelberger lasen kurze Besinnungstexte, an die sich jeweils ein Gebet für eine bestimmte Menschengruppe anschloss. Auf dem anschließenden Weg zur nächsten Marienfigur betete man den Rosenkranz mit einem auf die gerade besprochene Situation bezogenen Einschub. Der Abschluss der Prozession fand in der Marienkirche statt, wo nach einem gemeinsam gesprochenen Weihegebet und dem Wallfahrtslied im Kreuzgang bei einen Umtrunk noch Gelegenheit zum Gespräch war.

Aufgrund des regen Interesses hoffen Wallfahrtsverein, Kolpingfamilie und Frauenbund, auf deren Initiative die Lichterprozession zurückzuführen ist, dass hier die "Geburt einer neuen Tradition" erlebt wurde.