Stadtkloster Maria Hilf

Franziskanerschwestern eröffnen in Bad Mergentheim „Stadtkloster Maria Hilf“ mit Geistlichem Zentrum

Als Oase der Ruhe empfindet Schwester Daniela den Innenhof des Kreuzganges

Seit 140 Jahren gibt es Franziskanerinnen in Bad Mergentheim. Jetzt konnten sie mit dem Geistlichen Zentrum im neuen „Stadtkloster Maria Hilf“ eine seit vielen Jahren bestehende Idee umsetzen. Dazu waren nicht nur viel Überzeugungsarbeit zu leisten, sondern es mussten auch erhebliche Geldmittel zur Verfügung gestellt werden, berichtet die Leiterin des neuen Geistlichen Zentrums im Stadtkloster Schwester Daniela Immel. Gerade die Lage des ehemaligen Kapuzinerklosters, das seit einigen Jahren verwaist ist, im Schnittpunkt der geschäftigen Innenstadt zum anschließenden Wohngebiet   ist prädestiniert als idealer Ort einer Begegnungsstätte zwischen dem sieben  Franziskanerinnen umfassenden Konvent und den Bürgern der Stadt.

Mit ihrem Engagement setzen die Sießener Schwestern eine langjährige Tradition fort, die von den Kapuzinermönchen gegründet worden war und die viel  zum geistlichen Leben der Kur- und Badestadt, die auch lange Deutschordensresidenz war, beigetragen haben. Bis das „Klösterle“, wie es auch im Volksmund bezeichnet wird, im neuen Glanz erstrahlen konnte und den künftigen Anforderungen entsprechend umgebaut war, mussten viele bauliche Veränderungen vorgenommen werden. So wurde ein neuer behindertengerechter Zugang geschaffen, der von der Marienstraße zum Klostereingang führt und mit seinem geschmackvoll angelegten Vorgarten nun einen wunderbaren Blick auf das Klostergebäude mit der altehrwürdigen Inschrift „Maria Hilf“ erlaubt, der früher nicht möglich war. Wenn sich das Kloster früher hinter hohen Mauern versteckt hat, bietet es jetzt dem Besucher eine Offenheit an, die dem Anspruch der neuen Nutzer, ein Kloster der Offenen Tür zu sein, entspricht. Im Inneren des Gebäudes wurden nicht nur umfassende Renovierungsarbeiten, sondern auch neue, bedarfsgerechte Räume für das Geistliche Zentrum mit Büros für die Leitung und die Kurseelsorge, Besprechungsräume und ein Versammlungssaal sowie ein Meditationsraum geschaffen. Eine energetische Sanierung war ebenso notwendig wie die Erneuerung der Versorgungsleitungen für Strom, Wasser und Heizung. Herausgekommen ist ein wahres Schmuckstück, das jeden Besucher fasziniert. Insbesondere der Kreuzgang mit den bunten Glasfenstern, mit deren Mosaiken der Sonnengesang des Franziskus dargestellt ist. Heimelig ist auch der kleine Garten, den man auch als stille Oase bezeichnen kann und in dessen Mitte ein kleiner Brunnen sprudelt, den der Kreuzgang umschließt.

Im Obergeschoss des Klostergebäudes wurden Wohnräume und ein Konventraum für die sieben Schwestern geschaffen und seit Ende August bezogen. Für Gäste des Klosters, die einmal Besinnungstage, stille Tage oder Kloster auf Zeit machen wollen, sind 4 Gästezimmer neu entstanden. Alles in allem große bauliche Maßnahmen, die viel Geld gekostet haben - als letzte Zahl wurden 2,8 Mill. € genannt – sich am Ergebnis gemessen aber gelohnt haben.

Damit ist der äußere Rahmen geschaffen, so Schwester Daniela, um den Geist des heiligen Franziskus in die Gesellschaft zu tragen. Das sieht sie als Hauptaufgabe des Konvents an und dazu tragen die ehrenamtlich tätige Mitschwestern auf unterschiedliche Weise bei. So sind Schwestern des Konvents als Kur- und Reha-Seelsorgerin, Schulseelsorgerin, Gemeindereferentin und als Lehrerinnen an der Grund- und Realschule St. Bernhard tätig, für die das Sießener Franziskanerkloster Schulträger ist. In der Schule St. Bernhard hat vor über 100 Jahren das Wirken der Franziskanerinnen begonnen. Damals noch überwiegend als Fortbildungsschule für Mädchen, ist es heute eine moderne Grund- und Realschule für Jungen und Mädchen aus allen Konfessionen und Religionen. Damit steht heute die Jugendbildung aber auch die Erwachsenenbildung im Focus des öffentlichen Wirkens der Franziskanerinnen.

Mit dem Geistlichen Zentrum will Schwester Daniela „den christlichen franziskanischen Geist von Laien in die Gesellschaft tragen“. Viele sollen von diesem Geist beseelt werden und erfahren, welches Menschenbild dahintersteckt. Das Geistliche Zentrum sei frei von kirchengemeindlichen Zwängen und man könne dort deshalb frei zuhören, was die Menschen bewegt und ggf. belastet. Auch Ehrenamtlichen der Kirchengemeinde bietet das Geistliche Zentrum einen Ort, wo sie Ruhe finden und wieder auftanken können. Menschen will man Lust auf jungen Glauben vermitteln, der lebendig bleiben soll. Dazu verwaist Schwester Daniela auf die“ Nacht der Lichter“ an deren Organisation und Durchführung sich die Franziskanerinnen beteiligen. Meditationen wurden schon im klösterlichen Meditationsraum durchgeführt und auch das Angebot „Kloster auf Zeit“ sei eine Möglichkeit Gott zu spüren. Dabei könne man auch erfahren, dass der Geist Gottes immer da ist, in uns steckt und voller Leben ist. Das zu entdecken ist die große Hoffnung von Schwester Daniela.

Darüber hinaus kann ein „Abend der Barmherzigkeit“ in freier liturgischer Form dazu beitragen, dass Menschen zu persönlichen Gesprächen, Gebeten oder auch zur Beichte kommen. Auch die Gebetszeiten des Morgen- und Abendlobes in der ehemaligen Kapuzinerkirche stehen allen Menschen offen. Fastengruppen oder Exerzitien im Alltag sind ebenfalls Veranstaltungen, die den Weg ins Geistliche Zentrum führen sollen. Für die Jugend ist in Zusammenarbeit mit dem Jugendreferat ein Valentinsgottesdienst geplant, in der Freundschaft und Liebe eine besondere Rolle spielen werden und sich junge Paare auch segnen lassen können. Diese und noch viel mehr Ideen hat Schwester Daniela, um die Menschen im Sinne des heiligen Franziskus zum Glauben zu führen, zu bestärken und zu leben.

Deshalb freut sich Schwester Daniela mit ihrer Mitschwestern auf die offizielle Eröffnung am Wochenende von Freitag dem 6. Dezember 2019 bis Sonntag dem 8. Dezember 2019.  In einem TRIDIUM wird die Einweihung gefeiert. So wird am Freitagabend um 19.00 Uhr zu einer „Nacht der Lichter“ und am Samstag ebenfalls um 19.00 Uhr zu einer Vigilfeier eingeladen. Am Sonntag folgt um 14.00 Uhr ein Festgottesdienst, der von Weihbischof Matthäus Karrer zelebriert wird. Den Abschluss der Feierlichkeiten bildet das Abendlob um 19.00 Uhr. Am Sonntag kann das Stadtkloster und Geistliche Zentrum bei einem Tag er offenen Tür besichtigt werden.