Weltladen Bad Mergentheim: Zwei Förderprojekte aufgegleist

Ein Auto für die Seelsorge und eine Schulklasse in Äthiopien

Der Weltladen Bad Mergentheim finanziert zwei weitere Jahre eine Schulklasse in Äthiopien, getragen von der Stiftung Pro Fratre et Amico (Pfr. Ralph Walters-pacher, Lauda) - Bild: Stiftung PFeA

Der Verein Weltladen Bad Mergentheim e.V. hat auf seiner Jahreshauptversammlung den Vorstand im Amt bestätigt und die Hilfsprojekte festgelegt, in die der Erlös aus dem Ladenbetrieb und die Spenden in den Jahren 2020 und 2021 fließen sollen.

Dank der Treue seiner Kunden zum fairen Handel, des großen Fleißes der ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, der Unterstützung durch die katholische Münstergemeinde St. Johannes Baptist und vieler Spender stehen wieder zwei Hilfsprojekte auf der Agenda.

Neu ist die Unterstützung für die Seelsorge in der jungen griechisch-katholischen Gemeinde zum Heiligen Propheten Elias in Satpajew (Kasachstan). Der Weltladen Bad Mergentheim finanziert dort mit 10.000 € in organisatorischer Zusammenarbeit mit KIRCHE IN NOT und dem in Bad Mergentheim aufgewachsenen, vielen als Wallfahrtsseelsorger bekannten Pater Hermann-Josef Hubka einen neuen Personenwagen für die Seelsorge.

Satpajew ist eine 1954 als sozialistische Arbeitersiedlung gegründete Stadt mit über 71.000 Einwohnern, 550 km westlich von Karaganda. Die Stadt liegt im überwiegend muslimischen Kasachstan. Die Katholiken sind unter den in früheren Jahrhunderten christlichen Kasachen heute mit ca. 2% eine kleine Minderheit. Durch die Neulandsiedler kamen um 1900 viele russlanddeutsche Katholiken in den Norden Kasachstans. Nach 1941 wurden zahlreiche Menschen verschiedener Konfessionen und Nationalitäten (Deutsche, Ukrainer, Polen, Balten) von den Kommunisten nach Kasachstan und Zentralasien deportiert. Viele von ihnen haben ihren Glauben auch in Zeiten der schlimmsten Verfolgung bewahrt.

Seit dem Zerfall der Sowjetunion hat das religiöse Leben in dem Land zwischen Europa und China einen Aufschwung erlebt. 1990 gab es noch rund 670 Gebetsstätten, heute sind es deutlich über 3100, davon rund 2.300 Moscheen und weniger als 100 katholische Kirchen.

Die zumeist ukrainischstämmigen griechisch-katholischen Christen in Satpajew feiern die Messe in einer typischen Holzkirche in der Siedlung Vesovaya. Es ist eine lebendige Gemeinde in der Diaspora. Pfarrer Andrij Nedostup bietet für Kinder „Ferien mit Gott“ an, und jährlich findet eine Pilgerfahrt nach Kengir statt, zu einer Gedenkstätte des stalinschen Terrors. Der Pfarrer muss vielen Gläubigen zu Hilfe kommen. Sie können aufgrund ihres Alters oder ihrer Gebrechen nicht alleine in die Kirche kommen, müssen abgeholt werden und heimgebracht. Der Pfarrer erklärt: „Ohne Auto kann ich auch nicht die Sakramente spenden und seelsorgerische Besuche bei Bedürftigen machen“. Dies will ihm der Weltladen Bad Mergentheim ermöglichen.

Wie schon 2018 und 2019 engagiert sich der Weltladen Bad Mergentheim auch in den beiden kommenden Jahren bei der Stiftung „Pro Fratre et Amico“, für die der Laudaer Pfarrer Ralph Walterspacher und sein Vater stehen. Denn Lernen braucht Zuwendung, Zeit, einen Leitstern und Kontinuität. Und Lernen ist Hilfe zur Selbsthilfe. Der Wunsch, auch hier nachhaltig zu helfen, hat den Weltladen Bad Mergentheim e.V. bewogen, dieses Schulprojekt zwei weitere Jahre zu unterstützen. Durch 3.500 Euro Spenden pro Jahr werden wieder die gesamten Kosten für eine Schulklasse in Äthiopien übernommen.