Bischof Krämer: „Bin Papst dankbar für die klare Positionierung“

Papst Leo XIV. veröffentlicht Enzyklika „Magnifica humanitas" über die wichtigsten Fragen unserer Zeit: Künstliche Intelligenz und Menschenwürde.

Bild: picture alliance / SIPA | Grzegorz Galazka
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Bischof Dr. Klaus Krämer würdigt die erste Enzyklika von Papst Leo XIV.  „Magnifica humanitas“ als einen bedeutenden Beitrag zur Debatte über die wichtigsten Fragen unserer Zeit. „Ich begrüße und bin dankbar für die klare Positionierung des Papstes in seiner ersten Enzyklika. Leo XIV. gibt damit eine wichtige und wegweisende Orientierung gerade für die aktuellen Herausforderungen, die mit großen Veränderungen in der Welt, in der Wissenschaft aber auch in unserer Kirche verbunden sind“, sagt Bischof Dr. Klaus Krämer. Das Lehrschreiben des Papstes, das rund ein Jahr nach Beginn seines Pontifikats am 18. Mai 2025 am heutigen Pfingstmontag in Rom veröffentlicht wurde, trägt den Titel „Maginfica humanitas“ und beschäftigt sich mit dem Schutz des Menschen im Zeitalter der künstlichen Intelligenz.

Papst Leo XIV. fordert eine „Zivilisation der Liebe“ statt Macht und Krieg

„Papst Leo XIV. betont, dass die Menschheit an einem historischen Scheideweg steht, der nicht nur den technischen Fortschritt betrifft, sondern die Bedeutung von Entwicklung und menschlichem Zusammenleben selbst“, sagt Bischof Dr. Klaus Krämer. Umso wichtiger sei es, dass sich der Papst in dieser von Konflikten, Krisen und kriegerischen Auseinandersetzungen geprägten Zeit zu Wort gemeldet habe und als Alternative zu einer Kultur der Macht und des Krieges eine Zivilisation der Liebe, die auf Gerechtigkeit, Dialog und gemeinsamer Verantwortung gründet, vorschlage.

Enzyklika „Magnifica humanitas“: Künstliche Intelligenz muss dem Menschen dienen

Mit „Magnifica humanitas“ knüpfe Papst Leo XIV. an seinen Vorgänger Papst Franziskus an, der in seiner Botschaft zum Weltfriedenstag 2024 bereits die Frage der Künstlichen Intelligenz in den Horizont der Menschenwürde, des Friedens und des Gemeinwohls eingeordnet habe, so der Bischof weiter. Die jetzt veröffentlichte Enzyklika sei in Anbetracht der rasanten technologischen Entwicklungen auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz eine notwendige und konsequente Weiterführung der Gedanken von Papst Franziskus. „Künstliche Intelligenz ist nicht einfach nur eine technische Frage. Sie berührt die Würde des Menschen. Deshalb muss ihr Einsatz stets daran gemessen werden, ob sie dem Menschen dient, seine Freiheit achtet und seine unantastbare Würde schützt“, betont Bischof Dr. Krämer.

Vorstellung von „Magnifica humanitas“: Papst Leo XIV. setzt starkes Zeichen

Welche Bedeutung dieses Thema für den Papst habe, unterstreiche auch der Umstand, dass Leo XIV. persönlich an der Vorstellung seiner Enzyklika teilgenommen und auch das Wort ergriffen habe. Dies sei ein absolutes Novum im Vatikan, so der Bischof. „Die Anwesenheit von Christopher Olah, Mitbegründer von Anthropic, bei der Vorstellung der Enzyklika, macht zudem deutlich, dass auf beiden Seiten Bereitschaft besteht, die Debatte über künstliche Intelligenz im Dialog und auf Augenhöhe zu führen — zwischen Kirche, Wissenschaft und Technologieunternehmen. Dass sich ein führender KI-Entwickler dieser ethischen Diskussion stellt, ist ein wichtiges Zeichen. Denn Künstliche Intelligenz darf nicht allein nach technischer Machbarkeit und wirtschaftlichen Interessen entwickelt werden, sondern muss sich daran messen lassen, ob sie dem Menschen und dem Gemeinwohl dient“, sagt Bischof Dr. Krämer.

„Magnifica humanitas“ steht in der Tradition der Katholischen Soziallehre

Kein Zufall ist es nach Ansicht des Bischofs, dass Papst Leo XIV. „Magnifica humanitas‘“ am 15. Mai 2026 unterzeichnet hat, dem 135. Jahrestag der Veröffentlichung der wegweisenden Sozialenzyklika „Rerum novarum“. Mit der 1891 von Papst Leo XIII. veröffentlichten Enzyklika wurde der Grundstein für die katholische Soziallehre gelegt. In „Magnifica humanitas“ schreibt Papst Leo XIV., dass die Soziallehre der Kirche die Transformationen begleitet und verweist auf das Gemeinwohl, die Solidarität und die Subsidiarität als grundlegende Maßstäbe für das Verständnis und die Interpretation des gegenwärtigen Wandels.
Künstliche Intelligenz und Menschenwürde: Die soziale Frage des digitalen Zeitalters

Gerade in Zeiten von wirtschaftlichen Problemen, globalen Krisen und Kriegen, sowie gesellschaftlicher Spannungen sei die Katholische Soziallehre aktueller denn je - nicht nur bei uns in Deutschland. So wie die soziale Frage des 19. Jahrhunderts die Kirche herausgefordert habe, so fordere uns heute die digitale Frage heraus. Damals sei es um menschenwürdige Arbeit und soziale Gerechtigkeit gegangen. Heute gehe es um die Würde des Menschen in einer zunehmend digitalisierten und automatisierten Welt, betont Bischof Dr. Krämer. „Für Papst Leo XIV. steht dabei nach wie vor der Mensch mit seiner unantastbaren Würde im Mittelpunkt allen Handelns. Mit seiner Botschaft, sich auf diesen Kern der Katholischen Soziallehre immer wieder neu zu besinnen, trifft der Papst den Nerv der Zeit“, würdigt Bischof Dr. Klaus Krämer „Magnifica humanitas“.