Gesamtkunstwerk zum Klingen gebracht

Im Münster St. Johannes: Münsterchor, Stadtkapelle und Mezzosopranistin Susanne Oehm-Henninger gaben gemeinsames Konzert

Die Herausforderung der Balance zwischen Chor und Orchester war beim Konzert im Münster nie ein Problem. Bild: Stadtkapelle
Die Herausforderung der Balance zwischen Chor und Orchester war beim Konzert im Münster nie ein Problem. Bild: Stadtkapelle

Ein österliches Konzert erlebten zahlreiche Zuhörer am vergangenen Sonntag, 14. April, im Münster St. Johannes in Bad Mergentheim. Die Mezzosopranistin Susanne Oehm-Henninger, der Münsterchor St. Johannes und die Stadtkapelle Bad Mergentheim schlossen sich zu einem einzigartigen festlichen Konzert zusammen – in dieser Form quasi eine Premiere – und musizierten als zentrales Werk die Missa Katharina des Niederländers Jacob de Haan.

Diese Messe wurde als Auftragskomposition der DR. DAZERT-STIFTUNG / Kempten in Kooperation mit dem internationalen Musikbund CISM (Confédération Internationale des Sociétés Musicales) in Zusammenarbeit mit EUREGIO VIA SALINA und der ALLGÄUER ZEITUNG im Rahmen eines 2006 durchgeführten Kompositionswettbewerbs geschrieben. Der Name „Missa Katharina“ wurde im Gedenken an die Mutter von Dr. Franz Josef Dazert, Katharina Dazert, gewählt, die in den Wirren des 2. Weltkriegs ihr Leben lassen musste. Die Uraufführung der „Missa Katharina“ erfolgte im Rahmen eines Konzerts in der Basilika „St. Alexander und Theodor“ in Ottobeuren am 21. Oktober 2007.

Mit einem Marsch von Anton Dvorak führte die Stadtkapelle unter Leitung von Hubert Holzner in das Konzert ein, nach der Begrüßung durch Münsterpfarrer Thomas Frey durften auch die Zuhörer in ein Osterlied (an der Münsterorgel: KMD Michael Müller) einstimmen, welches in seinen ersten Tonschritten eine Verbindung zum Kyrie der Missa Katharina herstellte. Ein weiteres Instrumentalstück – die Toccata für Blasorchester von Frank Erickson – zeigte nochmals den ganzen Klangkörper der Stadtkapelle, in der Akustik des Kirchenraumes natürlich besonders eindrucksvoll.

Die Missa Katharina (nun unter Leitung von Michael Müller) besteht nicht nur aus den üblichen Sätzen Kyrie, Gloria usw., sondern beinhaltet auch drei Instrumentalsätze: ein Praeludium zu Beginn, ein Stück als Offertorium (Gabenbereitung) und auch ein Postludium. Dazu gesellen sich noch weitere Gesangsteile: Alleluja und Amen, jeweils kürzere Stücke, welche unverkennbar auf die Liturgie eines Gottesdienstes verweisen. So lag es nahe, nach dem Alleluja auch einen Text aus dem Evangelium mit einzubinden, den passenden österlichen Text des Evangeliums vom 3. Sonntag der Osterzeit. Abschluss bildete ein weiterer Choral und nach den Dankesworten das festliche „Halleluja“ von Georg Friedrich Händel (aus dem Messias), für Blasorchester und Chor bearbeitet von Hubert Holzner.

Bravourös, großartig wurde das 70minütige Gesamtprogramm von allen Musizierenden, Sängerinnen und Sängern wie Instrumentalisten gemeistert. Die Herausforderung der Balance zwischen Chor und Orchester war nie ein Problem – dank eines Komponisten, welcher um diese Problematik wusste und entsprechend instrumentiert hatte, aber auch einem präzise und klangvoll singenden Chor, welcher damit zusammen mit der Stadtkapelle ein klangliches Gesamtkunstwerk zum Klingen brachte. Festlichen Charakter durchzieht das Praeludium, präzise rhythmische Einwürfe der Trompeten und melodische Linien der Holzbläser bestimmen diesen Satz. Eher zurückhaltend, klagend, wirkt das Kyrie, um im Gloria mit prägnantem Anfangsmotiv Freude am Gotteslob zu vermitteln. In den Solostellen konnte auch Susanne Oehm-Henninger überzeugen: ihr warmer Stimmklang, ihr besonderer musikalischer Ausdruck verlieh der Missa weiteren Glanz und tiefen Ausdruck. Kurz, prägnant und schwungvoll erklingt das Alleluja, eher verhalten die Musik zum Offertorium. Das Credo ist durch die Länge des Textes immer eine kompositorische Herausforderung, aber auch diese meistert de Haan durch klare Strukturen und gelungene musikalische Motivik. Auch choralartige Elemente finden Eingang in dieses Werk und schaffen so eine Verbindung zum Gesang einer Gemeinde. Eine Leichtigkeit durchzieht das Sanctus, der Gesang der Engel ist vor allem den Holzbläsern vorbehalten, das Agnus Dei bekommt eher flehenden Charakter, ähnlich dem Kyrie und endet in der Bitte um Frieden verhalten, leise. Ein festlicher Abschluss mit kurzem „Amen“ und Postludium greift nochmals musikalische Elemente des Alleluja auf und sorgt so für gelungene Gesamtkomposition.

Stehender und lang anhaltender Beifall zollten den Mitwirkenden und Verantwortlichen dieses gelungenen Abends großen Respekt und vor allem Dankbarkeit. So zeigte dieses Konzert in besonderer Weise das gelungene Zusammenwirken verschiedener musikalischer Gruppierungen aus, in und für die Stadt Bad Mergentheim.