„Wir brauchen eine Renaissance des Diakonats“

Weihbischof Matthäus Karrer stellt sich den Fragen von Dr. Jutta Mader-Schömer vom „Netzwerk Diakonat der Frau“ und legt seinen Standpunkt dar.

Dr. Jutta Mader-Schömer, Vorsitzende Netzwerk Diakonat der Frau im Gespräch mit Weihbischof Matthäus Karrer am Stand des Netzwerk auf dem Theaterplatz in Erfurt. Foto: Diözese Rottenburg-Stuttgart / Nelly Swiebocki-Kisling
Dr. Jutta Mader-Schömer, Vorsitzende Netzwerk Diakonat der Frau im Gespräch mit Weihbischof Matthäus Karrer am Stand des Netzwerk auf dem Theaterplatz in Erfurt. Foto: Diözese Rottenburg-Stuttgart / Nelly Swiebocki-Kisling

Selbstverständlich sagt Weihbischof Karrer zu, wenn das Netzwerk Diakonat der Frau zum StandPunkt-Gespräch einlädt. Am Stand der Frauen auf dem Theaterplatz stellt er sich den Fragen der Vorsitzenden Dr. Jutta Mader-Schömer. Als stellvertretender Vorsitzender der Pastoralkommission der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), der auch die „Unterkommission Frauen in Kirche und Gesellschaft“ zugeordnet ist, fordert Karrer, „eine Renaissance des Diakonats mit dem Ziel einer diakonischen Kirche.“

Wenn sich eine Tür einmal öffnet …

Die Frage Mader-Schömers nach einem Diakonat der Frau beantwortet Karrer mit der Feststellung, man müsse das Diakonat endlich als eigenständiges Amt sehen und dem Amt eine eigene Würde geben, statt es lediglich als Durchgangsamt zum Priestertum zu sehen. „In der Pastoralkommission der DBK würden wir gerne von den Inhalten her denken, statt, wie bisher, nur von der Amtstheologie auszugehen. Bei der DBK haben wir durchaus eine Trennung zwischen Pastoral und der caritativen Ebene.“ Für ihn beinhalte das Amt des Ständigen Diakons die Seelsorge und die vielen caritativen Aufgaben in der Kirche, nicht den Dienst am Altar. Der Einsatzort der Diakone sei vor Ort, bei den Menschen, nicht in der Liturgie, so Karrer: „Deshalb ist dieses wichtige Amt durchaus auch für Frauen möglich.“ Die Absage Roms an das Diakonat der Frau erkläre sich nur durch deren Verständnis, es sei eine Zwischenstation zum Priesteramt. Und Rom versperre sich dieser Entwicklung, weil eine Tür, die einmal geöffnet werde, nicht mehr geschlossen werden könne.

Wir haben nur eine Zukunft, wenn wir ins Diakonische gehen

Grundsätzlich müsse man sich die Frage stellen, was eine diakonische Kirche heute bedeute. „Wir definieren Kirche von der Verkündung aus. Die Funktion des Ständigen Diakons auf diese Weise zu erklären, ist jedoch ein Missverständnis, das bis in die höchste Ebene hinein geht. Sieht man das Amt des Diakons jedoch als eigenständiges Amt, würden wir diesem Amt einen zentralen Stellenwert geben, hätte ich überhaupt kein Problem, das Verfahren für eine Änderung sofort zu eröffnen.“ Bis heute sei das Amt des Diakons jedoch weltweit unbekannt, so der Weihbischof. Sogar in Europa gäbe es das Amt des Ständigen Diakons nur in wenige Ländern. Polen beispielsweise kenne dieses Amt nicht. Allerdings sei jetzt in einer orthodoxen Diözese in Afrika erstmalig eine Frau als Diakonin eingesetzt worden. Matthäus Karrer: „Damit wurde ein Signal gesetzt!“

Wir haben keine Chance, wenn wir diese Aufgabe nicht wahrnehmen

Dr. Jutta Mader-Schömer erinnert daran, das der diakonische Aspekt in der Diözese Rottenburg-Stuttgart sehr prominent vorhanden sei, im Vergleich zu vielen anderen Bistümern. Karrer hat dazu eine sehr genaue Vorstellung: „Wir haben nur eine Zukunft, wenn wir ins Diakonische gehen. In einer Untersuchung fragten wir Jugendliche, was sie von ihrer Kirche erwarteten. Die Antwort war deutlich: Junge Menschen erwarten eine diakonische Seelsorge, wenn sie sie brauchen.“ Das könne man vielleicht kritisieren – oder aber als große Chance sehen. Weihbischof Karrer: „Hier haben wir einen Landepunkt und wir haben keine Chance, wenn wir diese Aufgabe nicht wahrnehmen. Hauptamtliche und Pfarrer können den Laden nicht am Laufen halten.“ Man brauche Leute, die auf die Straße gehen, in die Schulseelsorge, an die Hochschulen, in die Kolpinghäuser und Festivals.“

Was wir zuerst lernen müssen ist das Stichwort Vielfalt

Oft müsse man es jedoch aushalten, dass Stellen vakant blieben, weil es nicht genug Pfarrer für diese Aufgabe gäbe. Matthäus Karrer: „Wir sind gerade auf einer Wüstenwanderung.“ Das sei jedoch gut, denn, so Karrer, „vielleicht brauchen wir weniger statische Körperschaft und mehr Bewegung. Dann werden wir ganz schnell eine Diakonische Kirche. „Was wir zuerst lernen müssen ist das Stichwort Vielfalt. Dann können wir auf den unterschiedlichen Kontinenten und Ländern auch eine unterschiedliche Entwicklung zulassen – auch beim Diakonat der Frauen."