Abschied von Pfarrer und Münster

Pfarrer Ulrich Skobowsky beendet seine Zeit in Bad Mergentheim. Zugleich schließt er die Kirche St. Johannes bis 2022.

Schlüsselszene: Das Münster ist zu, die Renovierung kann beginnen. Foto: drs/Guzy

Sie wissen, dass sie ihn ziehen lassen müssen, aber sie tun es äußerst ungern. Es ist tatsächlich eine Mischung aus Verständnis und echtem Bedauern, wie es Rudolf Kromer formulierte, die das Stimmungsbild beherrscht. Denn Pfarrer Ulrich Skobowsky verlässt Bad Mergentheim. „Wir verlieren einen hoch geschätzten Pfarrer“, sagte Kromer, gewählter Vorsitzender des Kirchengemeinderats, bei der offiziellen Abschiedsfeier. Und mit dieser Bewertung war er nicht allein.

Zwar konnte wegen der Coronaregelungen nur ein enger Kreis an Gästen an der Veranstaltung teilnehmen. Doch die Wertschätzung, die die Beteiligten zum Ausdruck brachten, war umso größer.

Kromer zählte auf, was die Gemeindemitglieder vermissen werden: den charismatischen Pfarrer, den Musiker, den humorvollen Menschen. Ein Stichwort zog sich dabei wie ein roter Faden durch alle Reden: Augenhöhe. Auf Augenhöhe sei Skobowsky zum Beispiel dem Pastoralteam und den Ehrenamtlichen begegnet, wie Kromer sagte.

Die einzelnen Charakterisierungen schmückten Kromer, sein Stellvertreter Hariolf Scherer und  Pastoralreferent Jens Jörgensmann bei einem Anspiel mit Anekdoten aus. Als Jury von „Das Land sucht den Superhirten“ bewerteten sie neben der Teamarbeit und den strategischen Fähigkeiten auch die Qualitäten als Gastgeber – Spitzname „Schokobowsky“ wegen der vielen Süßigkeiten – oder Reisebegleiter, die Skobowsky während seiner Zeit in Bad Mergentheim gezeigt hat. Nach der Jury-Entscheidung gab es für den Pfarrer einen goldenen Konfetti-Regen aus der Effekt-Kanone.

Schwester Katharina Küster erzählte aus dem – mitgebrachten – Nähkästchen des Pastoralteams. Sie sprach von der Leidenschaft fürs Evangelium, die bei Skobowsky deutlich werde. Sie erwähnte die gemeinsamen Frühstücke, die Corona beendet hat. Sie beschrieb Skobowsky als einen suchenden und fragenden Pfarrer.

„Sie waren für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter da. Sie genießen ein hohes Ansehen bei uns“, sagte Peter Striffler, Leiter des katholischen Verwaltungszentrums Bad Mergentheim. Brigitte Firsching (Frauenbund) und Claudia Michelberger (Kolpingsfamilie) überbrachten die Grüße der verschiedenen Gruppierungen der Kirchengemeinde.

Dass sich die Wertschätzung nicht nur auf den eigenen Kreis bezieht, machte Regina Korn deutlich. Die evangelische Pfarrerin hob das ökumenische Engagement und die gute Kollegialität von Pfarrer Skobowsky hervor.

Von einer engen, vertrauensvollen Zusammenarbeit, ja Freundschaft sprach Oberbürgermeister Udo Glatthaar (CDU). „Die weltliche Gemeinde verliert einen Partner, wie man ihn sich nur wünschen kann“, sagte er.

Natürlich gab es von allen Seiten Abschiedsgeschenke: ein Ortsschild, eine Skobowsky nachempfundene Figur mit Gitarre, ein selbst gestaltetes Erinnerungsbuch, einen Wanderstab mit Emblemen der bisherigen Stationen und Platz für weitere.   

Die nächste Station für Skobowsky  zumindest ist klar: Tübingen. Dorthin wechselt der  51-Jährige nach zehn Jahren in Bad Mergentheim. Neun Jahre davon war Skobowsky nicht nur Pfarrer, sondern zudem Dekan beziehungsweise kommissarischer Dekan im Dekanat Mergentheim. Erst Anfang dieses Monats übergab er die Aufgabe des kommissarischen Dekans an Pfarrer Bogdan Stolarczyk.

Es war eher Zufall, dass Skobowsky  vor zehn Jahren nach Bad Mergentheim kam. Er habe aber keinen Tag bereut, sagte er. Er könne die Enttäuschung der Leute verstehen. Doch: „Mir war klar, dass mein Weg weitergeht.“ So blieb den Bad Mergentheimern nur noch ein „Time to say Goodbye“ durch die Musikerinnen und Musiker um Michael Müller.

Im Abendgottesdienst nach der Abschiedsfeier brachte Skobowsky seine Gründe für den Weggang dann noch einmal auf den Punkt. „Wenn Jesus der Weg ist, dann kann ich nicht stehen bleiben“, erklärte er. Die Gottesdienstbesucherinnen und Gottesdienstbesucher bedachten den Pfarrer am Ende der Messe mit langem Applaus.

Es war nach seiner Abschiedstour durch die Gemeinden nicht nur der letzte Gottesdienst für Skobowsky in Bad Mergentheim, sondern zugleich der vorerst letzte Gottesdienst im Münster. Die Kirche St. Johannes Baptist ist jetzt bis etwa Ende 2022 wegen umfangreicher Umbau- und Renovierungsarbeiten geschlossen. Nach dem Gottesdienst, als alle draußen waren, drehte Skobowsky als symbolisches Zeichen dafür den Schlüssel in der Tür des Eingangsportals um. Als Ersatz für die kommende Zeit dient nun die Marienkirche, die bereits vor einigen Jahren restauriert worden ist.