Die Arbeiten gehen zügig voran

Umfangreiche Innenrenovierung im Münster St. Johannes - Bauabschnitt I weitgehend abgeschlossen

Wie ein überdimensionales Spinnennetz schmiegt sich das riesige Gerüst in den Kirchenraum. Die Innensanierung des Münsters ist in vollem Gang, der Bauabschnitt I ist weitgehend abgeschlossen.

Bad Mergentheim. Vom Johanniterorden einst zwischen 1250 und 1270 als Stadtkirche St. Johannes erbaut, erlebte das heutige Münster in den vergangenen 750 Jahren zahlreiche Baumaßnahmen und Sanierungen. Nun stehen erneut große bauliche Veränderungen an, die die Kirchengemeinde vor große Herausforderungen stellt. Seit Juli vergangenen Jahres ist das Münster St. Johannes in der Kurstadt geschlossen. Bis Ende 2022 – also für knapp zweieinhalb Jahre – soll hier nun eine Baustelle sein, ehe das Münster feierlich wieder eröffnet wird.

Spenden sind willkommen

„Die Außensanierung lief vom Frühjahr 2017 bis Ostern 2019 und wurde erfolgreich abgeschlossen“, blickt Peter Striffler, der Leiter des Katholischen Verwaltungszentrums, im FN-Gespräch zurück. Die Kosten für dieses Maßnahmenpaket lagen, wie geplant, bei einer Million Euro und Peter Striffler spricht daher auch von einer „Punktlandung“, trotz aller unvorhergesehenen Schwierigkeiten.

Das Gleiche strebe man jetzt auch bei der Innenrenovierung an: „1,7 Millionen Euro sind hierfür vorgesehen“. In drei Bauabschnitten will man vorgehen und ist dabei stets auf die Zuschüsse der Diözese Rottenburg-Stuttgart und deren Bewilligung angewiesen. 20 Prozent (340 000 Euro) der Gesamtkosten bleiben bei der Kirchengemeinde hängen, die dafür eifrig um Spenden und Unterstützung wirbt.

„Rohbau, Rückbau, Veränderung der Niveaus und Ertüchtigung des Heizungskellers“ – so kann man die Arbeiten des ersten Bauabschnitts umschreiben, der quasi vollzogen ist. Der zuständige Architekt Hanns Berger vom Büro Berger Architektur und Denkmalpflege GmbH in Rothenburg erläuterte im Gespräch mit unserer Zeitung die Arbeiten der nun fast abgeschlossenen ersten Bauphase.

Zunächst, so blickt Berger auf den Beginn der Sanierungsarbeiten zurück, wurden die bewegliche Kunst- und Sakralgegenstände ausgebaut und eingelagert. „Hierfür haben wir eigens einen Sicherheitsraum innerhalb der Kirche geschaffen, um die wertvollen Gegenstände sorgsam schützen zu können“, so Berger. Die Kirchenbänke, die später wieder ihren Platz im Münster finden werden, lagern derzeit an einem sicheren Raum außerhalb der Kirche. Nach dem Ausbau der Orgel und der Orgelempore wurde in den nunmehr leeren Raum ein überdimensionales Gerüst eingezogen, das den Kirchenraum wie ein riesiges stählernes Spinnennetz auskleidet – zahlreiche Etagen ranken sich im Kirchenschiff nach oben bis unter das Gewölbe des Langhauses.

Die neuerliche Münstersanierung ins Rollen brachten Untersuchungen vor gut zehn Jahren, als es erst nur um das Abstellen kleinerer Probleme ging. Stand zunächst allein die Heizungskellerdecke im Fokus, so stellte man schnell fest, dass noch an vielen anderen Stellen dringender Handlungsbedarf herrscht. Bevor aber das Großprojekt angegangen werden konnte, wurde zuerst die Marienkirche saniert, abgehakt, denn sie dient nun als „Ersatzkirche“ für die Gottesdienste und Andachten der nächsten beiden Jahre.

Der Wunsch nach Barrierefreiheit in der großen Kirche war wohl das entscheidende Kriterium, den Chorraum samt Hochaltar „tieferzulegen“. Im ersten Bauabschnitt wurden deshalb die unterschiedlichen Höhenniveaus zwischen Chorraum und Langhaus angeglichen, will heißen, der Chorraum wurde abgesenkt. Hanns Berger: „Nach der Sanierung kann man nun stufenlos zur Kommunion gehen“ – gute Aussichten für Gottesdienstbesucher.

Auch den Hochaltar glich man nunmehr dem tieferen Höhenniveau an – drei Stufen wurde entfernt und der Altar abgesenkt. Ebenso wird in einem späteren Bauabschnitt die Kreuzigungsgruppe, die hinter dem Hochaltar zu finden ist, nach unten versetzt, um die drei Kreuze optisch aufzuwerten und den Blick auf die Buntfenster im Chorraum freizugeben.

Taufstein in der Mitte

Barrierefrei ohne Stufen erreichbar sind zukünftig auch die beiden Seitenaltäre, die ebenfalls nach unten verlegt wurden. „Einzig die Anna-Kapelle muss aus Denkmalschutzgründen ihr bisheriges Höhenniveau beibehalten, da unter diesem Andachtsraum Gräber aus dem 18. Jahrhundert zu finden sind“, bedauert Architekt Berger. Geplant ist jedoch, zukünftig diesen Bereich als „Ort der Stille“ zu nutzen.

Einen gänzlich neuen Platz bekommt der Taufstein: War dieser bisher am vorderen Rand des Chorraums zu finden, rückt er nun in die Mitte vor den Hochaltar. „Dieser Raum kann später als barrierefreier Andachtsraum etwa für Tauffeiern genutzt werden“, ist sich Hanns Berger sicher.

Als abschließende Maßnahme im Zuge des ersten Bauabschnitts wird derzeit noch der Heizungskeller saniert und die Warmluftheizung erneuert. Nach den Plänen von Architekt Berger wird der Zugang nach wie vor von außen sein.