April 2024

Stiftung Pro Fratre et Amico vorgestellt

Setz dein Silber ein für den Bruder und Freund

Auf Einladung der KEB Bad Mergentheim und des Weltladens Bad Mergentheim stellte Pfarrer Ralph Walterspacher (Lauda) die 2006 von seinem Vater Herbert Walterspacher gegründete Stiftung Pro Fratre et Amico und die aktuelle Entwicklung ihrer Hilfsprojekte in Äthiopien vor. Gut 30 Besucherinnen und Besucher erfuhren im Stadtkloster Bad Mergentheim durch seinen reich bebilderten Reisebericht aus erster Hand viel Neues und manch Überraschendes über ein uraltes Kulturland im Spannungsfeld zwischen traditioneller Verwurzelung und umstürzendem Wandel.

Äthiopien ist gut drei Mal so groß wie Deutschland und zählt über 123 Millionen Einwohner. Die Bevölkerung wächst schnell, Jahr für Jahr um rund 2,6%. Fünf von sechs Menschen leben auf dem Land, und nur jeder Dritte hat Zugang zu einer Wasserversorgung. Während Europa dort wirtschaftlich unbedeutend geworden ist, hat sich das kommunistische China als Financier von Infrastrukturprojekten politischen Einfluss und den Zugriff auf die Bodenschätze Äthiopiens gesichert. Derweil belasten ethnische und religiöse Konflikte das Land schwer. Christliche Ordensleute werden immer wieder Opfer von Gewalt, und auch das Reisen über Land ist gefährlicher geworden. Dennoch ist es Herbert Walterspacher wichtig, einmal im Jahr persönlich nach „seinen Hilfsprojekten“ zu sehen; jeweils begleitet von einem seiner Söhne und vollständig auf eigene Kosten. Sein Leitmotiv lautet: Setz dein Silber ein für den Bruder und Freund, lass es nicht rosten unter dem Stein, bis es vernichtet ist (Jesus Sirach 29,10).

Nachdem die Hauptstadt Adis Abeba verlassen ist, geht die Fahrt vorbei an kilometerlangen Gewächshäusern, bald über Schotterpisten, auf denen viehbespannte Fuhrwerke das Bild prägen. Tiefe Taleinschnitte müssen auf atemberaubend abschüssigen Pisten gequert werden.

Eine uns fremde Mentalität begegnet dem Europäer im ländlichen Äthiopien, geprägt von überwältigender Gastfreundschaft und spontaner Lebensfreude. Die Menschen auf dem Land sind stark in ihren Traditionen verwurzelt. Veränderungen entstehen langsam. Klare Vorgaben, Kontrolle und Geduld sind oft unerlässlich, um ein Hilfsprojekt langfristig zum Erfolg zu führen.

Ein Hauptziel der Reise ist Alemtena, in einem Savannengebiet auf rund 2.600 Meter über dem Meer gelegen. Dort führen Steyler Missionarinnen neben einer Krankenstation und einem Kindergarten für 300 Kinder die St. Paul Elementary Scool, in der rund 30 Lehrer 600 Schüler in acht Klassenstufen unterrichten, 50 Kinder in einer Klasse. Dies ist das Herzensprojekt des Stiftungsgründers. Aber die Schule kämpft derzeit mit stark gestiegenen Kosten. Sie muss mit staatlichen Schulen um Lehrkräfte konkurrieren. Außerdem schreibt der Staat vor, dass der Unterricht parallel in den Sprachen Oromifa und Amharisch abzuhalten ist, übernimmt aber nicht die dadurch verursachten Kosten, beispielsweise für die neuen Schulbücher. Die Stiftung Pro Fratre et Amico finanziert den laufenden Betrieb und hat 2023 rund 100.000 € nach Alemtena gegeben; den Unterricht für eine Schulklasse spendet seit mehreren Jahren der Weltladen Bad Mergentheim. Denn Bildung ist der beste Weg aus der Armut.

Ein anderer Ansatz zur Selbsthilfe sind Mikrokredite, die Frauen für ein Jahr gewährt werden, um ihnen eine Existenzgründung zu ermöglichen. Viele Frauen müssen ihre Kinder alleine erziehen; häufig führt ihr Weg in die Prostitution. Mit dem Mikrokredit kann eine Frau stattdessen beispielsweise zehn Hühner kaufen. Das ist das Startkapital für ihr Kleinunternehmen. Von dem damit erwirtschafteten Geld kann sich die Frau später ein Schaf kaufen, Milchwirtschaft betreiben und schließlich eine Kuh. Wer in Äthiopien eine Kuh besitzt, gilt schon als wohlhabend. Auch Gewerbebetriebe wie eine Bäckerei, ein Korbflechtbetrieb, eine Hauskneipe, eine Schnapsbrennerei  und eine Hopfenblättertrocknung wurden mit solchen Krediten aufgegleist.

Der zurückgezahlte Kreditbetrag wird in eine Kasse eingelegt, die mit drei Schlössern gesichert ist und also nur von drei Personen gemeinsam geöffnet werden kann. Über die weitere Vergabe des Geldes wird gemeinschaftlich entschieden. So entstehen kleinwirtschaftliche Strukturen und ganz allmählich ein Verständnis für Eigenverantwortung.

November 2023

Ellwangen war eine Reise wert

Frisch wehte der Wind über den Bahnsteig, als sich rund zwei Dutzend Wissbegierige am Bahnhof Bad Mergentheim trafen, um mit dem Zug nach Ellwangen (Jagst) zu fahren. Eingeladen hatte die Katholische Erwachsenenbildung (KEB) zusammen mit dem Weltladen Bad Mergentheim.

Auf eindrucksvolle Weise verknüpft Ellwangen Tradition und Moderne. Der sorgsam gepflegte Baubestand und die großzügige Anlage der Stadt lassen noch heute erahnen, dass Ellwangen bis in die napoleonische Zeit Sitz eines Fürstpropstes war.

Nach einem gemeinsamen Mitttagessen besuchte die Mergentheimer Gruppe den im Erdgeschoss eines Altbaus im Stadtzentrum gelegenen Weltladen.  Zwei Mitarbeiterinnen erklärten Konzept und Zielsetzung dieses vom Verein Treffpunkt Nord-Süd e.V. getragenen Ladens, der im Unterschied zum Weltladen Bad Mergentheim seinen Schwerpunkt in politischer Arbeit sieht.

Anschließend ging es in die im Kern romanische Basilika am Marktplatz mit dem eindrucksvollen Kreuzgang und der angebauten barocken Jesuitenkirche, die heute von der evangelischen Gemeinde genutzt und für Konzertaufführungen geschätzt wird.

Einen doppelten Kontrapunkt setzte zum Abschluss der Besuch in der Marienpflege, die sich mit derzeit elf Wohngruppen um Kinder und Jugendliche kümmert, die nicht das Glück erfahren durften, in eine gute Familie hineinzuwachsen. Für Notfälle steht die nach einer württembergischen Prinzessin benannte Einrichtung an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr als Anlaufstelle offen. In erster Linie soll jungen Menschen aber verlässlicher Halt gegeben werden, um ihnen den Weg ins eigenständige Leben zu erleichtern. Die Marienpflege steht Menschen jeder Religion offen. Dennoch spielt der Glaube eine wichtige Rolle. Für das Gebet in frohen und in schweren Stunden gibt es eine Kapelle, in der Glasfenster des zeitgenössischen, einheimischen Künstlers Sieger Köder Momente des Glaubens und den Weg des Heiligen Franziskus erhellen.

Die Heimfahrt mit der Bahn gab Gelegenheit, den gelungenen Tag in Gedanken und Gesprächen noch einmal Revue passieren zu lassen.

Juli 2023

Neue Hilfsprojekte des Weltladens Bad Mergentheim für 2024/25

Dem Guten weiterhin verpflichtet

Während in Deutschland viele Menschen durch die andauernde Inflation ihren Wohlstand schwinden spüren, sind explodierende Lebensmittelpreise in den armen Ländern des Südens für viele Menschen existenzbedrohend. So berichtet ein Pfarrer aus Tansania, dessen Schule der Weltladen Bad Mergentheim 2022 unterstützt hat, dass das Getreide für eine Schulspeisung jetzt zehn Mal so viel kostet, wie vor einem Jahr.

In diesem schwierigen Umfeld bleibt der Weltladen Bad Mergentheim dem Guten weiterhin verpflichtet. Die Besonderheit dieses Weltladens besteht darin, dass der Überschuss aus dem Verkauf fair gehandelter Waren nicht in kostspielige politische Kampagnen fließt, sondern in konkrete Hilfsprojekte, zu denen durch eine kirchliche Vertrauensperson ein persönlicher Kontakt besteht.

Die Treue der Kundinnen und Kunden, die Sparsamkeit der Mitarbeiterinnen beim Ladenbetrieb und die kundenorientierte Ladenführung ließen den Weltladen Bad Mergentheim erstarken und trotz einiger Schwierigkeiten auch gut durch die Corona-Jahre kommen, freute sich der Vereinsvorsitzende Alois Baumann bei seinem Rückblick auf der Jahreshauptversammlung 2023. Ein stabiles, zwanzigköpfiges Team, in dem neue, zuverlässige Kräfte stets willkommen sind, betreibt den Laden vollständig ehrenamtlich und steht, zusammen mit der verlässlichen Förderung durch die katholische Münstergemeinde St. Johannes Baptist,  für die gute Entwicklung seit der Übernahme durch den Trägerverein im Jahr 2013.

Im Laufe der Jahre gelang es, dem Weltladen Bad Mergentheim e.V., seine Hilfszusagen sukzessive auszubauen. Die beeindruckende Liste findet sich auf der Homepage der Münstergemeinde St. Johannes Baptist. Aufmerksame Leser der FN erinnern sich sicher noch an den Bau eines Brunnens mit Pater Basil in Umumilo/Nigeria und an die mehrjährige Unterstützung des Armenkrankenhauses, das Pater Josef Schmidpeter in Arequipa/Peru errichtet hat. Dieses Projekt steht 2024 ein weiteres Mal auf der Förderliste des Weltladens Bad Mergentheim.

Bildung schafft Perspektiven für ein gutes Leben in der Heimat. Der Weltladen Bad Mergentheim setzt hier ein nachhaltiges Zeichen, indem er rund 50 Kindern in Alemtena/Äthiopien ihre komplette Schulausbildung finanziert; die Schule wird organisiert von der Stiftung Pro Fratre et Amico (Pfr. Walterspacher, Lauda). Auch diese Unterstützung läuft 2024 und 2025 weiter.

Daneben sollen in Peru die Reparatur eines vom Sturm beschädigten Schuldaches sowie die Ausbildung einer Katechetin finanziert werden, und schließlich will der Weltladen bei Bedarf wieder einen Hilfstransport der Kolping-Söhne Berthold Ludwig und Wolfgang Spinner unterstützen. Alle vom Stellvertretenden Vorsitzenden Dr. jur. Klaus Hofmann vorgestellten Förderprojekte wurden auf der Hauptversammlung des Weltladenvereins in der Hoffnung auf eine weiterhin treue Kundschaft und mit Dank an das fleißige Weltladenteam einstimmig beschlossen.         

November 2022

Kaffee für ein besseres Leben

Auf Einladung der Katholischen Erwachsenenbildung Dekanat Mergentheim (KEB) stellte Jochen Hackstein vom Verein WÜPAKA e.V. ein ganz besonderes Projekt vor: den Würzburger Partnerkaffee. Nach seinem facettenreichen Vortrag und zahlreichen Fragen aus dem Publikum verkostete man im lebhaften Gespräch einen Winter-Cappuccino mit Ahornsirup und selbstgebackenen Kuchen, den Mitarbeiterinnen des Weltladens Bad Mergentheim anboten.

Wie WÜPAKA entstand

Die Abkürzung WÜPAKA steht für „Würzburger Partnerkaffee“. Die Diözesen Würzburg und Mbinga, im Süden Tansanias gelegen, sind Partnerdiözesen. 1887 begannen im Gebiet von Mbinga drei Missionsbenediktiner, den Menschen das Evangelium zu bringen. Mit großem Erfolg, wie das Leben der rund 350.000 Katholiken dort zeigt. Die Kirchen reichen nicht aus, die Gläubigen zur Messe zu fassen. Wegen des großen Andrangs werden zusätzliche Priesterseminare eröffnet.

Vor Jahrzehnten entstand im Kreis der Missionsbenediktiner von Münsterschwarzach die Erkenntnis, die Missionsarbeit dürfe keine Einbahnstraße sein und  müsse Hilfe zu einem selbstbestimmten Leben bieten.

Das subtropische Hochland im Süden von Tansania erlaubt den Anbau hochwertiger Arabica-Kaffeebohnen. Sie zu auskömmlichen Preisen anzukaufen, daraus einen wertvollen Kaffee herzustellen und diesen dann in Würzburg und Umgebung anzubieten, war der Grundgedanke, der Name „Würzburger Partnerkaffee“ die naheliegende Bezeichnung für das Produkt.

1998 wurde dann der Verein WÜPAKA e.V. gegründet, in dem sich kirchliche Vereinigungen beider Konfessionen und die Stadt Würzburg zusammengeschlossen haben, um das Projekt Würzburger Partnerkaffee ohne Gewinninteresse in eine gute Zukunft zu führen.

Elisabeth steht für das Ganze

Elisabeth ist Bäuerin in Mahenge, rund 50 Kilometer von Mbinga. Sie ist etwa 45 Jahre alt und hat drei erwachsene Kinder. Sie hat einige Tiere, Kühe, Schweine und Hühner. Außerdem betreibt sie Feldbau, und besitzt rund 200 Kaffeepflanzen. Wie Elisabeth wirtschaften viele der rund 400 Mitglieder der Kaffeekooperative Mahenge Amcos. Oft führen Frauen allein den Betrieb.

Aus dem Kaffeeanbau bezieht Elisabeth dank WÜPAKA rund die Hälfte ihres Einkommens. WÜPAKA zahlt regelmäßig das Doppelte des Weltmarktpreises. Müsste sie ihre Kaffeebohnen zum Weltmarktpreis abgeben, wäre der Anbau nicht wirtschaftlich; davon zu leben, wäre unmöglich. Indem der jeweilige Kaufpreis zwischen den Partnern vor Ort und auf Augenhöhe ausgehandelt wird, entsteht eine würdevolle Landwirtschaft. Ergänzend kauft WÜPAKA im Norden Tansanias Robusta-Bohnen, die für Espresso verwandt werden.

Von der Pflanze in die Tasse

Zwischen Juli und September müssen die Kaffeepflanzen mehrmals durchgeerntet werden. Denn die Bohnen reifen nicht gleichzeitig. Sind die Früchte geerntet und die beiden Bohnen aus jeder Kaffeekirsche entnommen, so werden sie auf großen Netzen getrocknet. Dann kann ihre weite Reise beginnen; in Containern mit je 19,2 Tonnen Fassungsvermögen.

Geröstet werden die Bohnen bisher in Deutschland. Hier gilt: Gut Ding will Weile haben. Industrielle Anlagen rösten Kaffeebohnen in Behältern, die an Betonmischer erinnern, in weniger als einer Minute. Das Äußere der Bohne wird schart geröstet, das innere bleibt teils „roh“. Das schadet der Bekömmlichkeit und dem Aroma des Kaffees. Daher achtet WÜPAKA auf eine schonende Röstung, die zwar deutlich länger dauert und teurer ist, dem Endprodukt aber zugutekommt.

Ausgeschenkt wird der WÜPAKA in Einrichtungen und bei Veranstaltungen der Vereinsmitglieder. So gibt es beispielsweise bei den Stadtratssitzungen in Würzburg Würzburger Partnerkaffee. Außerdem wird der Kaffee verkauft.

Fairer Handel ist kein Zuckerschlecken

Der Würzburger Partnerkaffee ist eine Erfolgsgeschichte, vor allem für die Kaffeebauern in Mahenge. Aber der faire Handel ist kein Zuckerschlecken. Jochen Hackstein ist weder Tagträumer, noch Schönfärber. Gerade, indem er auch Probleme benennt, die sonst gerne unter den Teppich gekehrt werden, beweist er sich als vertrauenswürdiger Realist im Dienst einer guten Sache.

Der persönliche Kontakt mit den Kaffeebauern ist für WÜPAKA unverzichtbar. Er erfordert immer wieder Reisen in den Süden von Tansania. Allein die Fahrt von Mbinga nach Mahenge, normalerweise eine Sache von etwa einer Stunde, kann bei schlechten Witterungsverhältnissen auch vier Stunden dauern.

Die Mentalität der Menschen in Tansania führt bisweilen zu Klärungsbedarf. Jochen Hackstein berichtet von einer seiner letzten Fahrten. Vereinbart war, dass die Kooperative 8 Containerladungen Kaffeebohnen zu je 19,2 Tonnen liefern sollte. Die Kooperative erklärte kurzerhand, nur die Hälfte zu liefern; mehr ginge eben nicht. Hier konnte WÜPAKA aber nicht nachgeben. Also musste sich die Kooperative anderweitig Kaffee beschaffen, um ihren Vertrag zu erfüllen. Wirtschaftlich sieht der Referent Afrika noch in einem Lernprozess, der erst mit dem Ende der Kolonialzeit begonnen habe.

Auch von außen werden die Lieferbeziehungen von WÜPAKA offenbar angegriffen. Den Kaffeebauern wurden höhere Preise für ihre Ware angeboten. Was vordergründig gut klingt, birgt für die Produzenten die Gefahr, zwar kurzfristig mehr Geld zu bekommen, schon mittelfristig aber in eine Abhängigkeit zu geraten, die sie verarmen lässt. Hier setzt WÜPAKA auf das entstandene Vertrauen und verweist auf die Selbsthilfeprojekte, die vor Ort unterstützt werden, um die Lebenssituation der Menschen dauerhaft zu verbessern. Pro Kilogramm verkauften Kaffees werden 76 Cent dafür eingesetzt. So hilft jede Tasse Kaffee beispielsweise dazu, jungen Tansanierinnen eine Ausbildung als Schneiderin zu ermöglichen.

Eine weitere Hürde für wirklich fairen Handel ist das „fair-trade“-Logo, das auf vielen Produkten in Supermärkten mittlerweile zu finden ist. Dieses „Qualitätssiegel“ können Waren schon dann erhalten, wenn sie nur zu einem geringen Anteil (20%) aus fair gehandelten Grundstoffen bestehen, im Übrigen aber aus konventionell gehandelten. Wer auf fairen Handel Wert legt, sollte beim Produktkauf darauf achten, wie hoch der fair gehandelte Anteil an einem Produkt tatsächlich ist. WÜPAKA lässt seine Produkte bewusst nicht mit dem „fair-trade“-Logo zertifizieren, erläutert Jochen Hackstein, und verweist dazu auf die hohen Gebühren, die der Zertifizierer verlangt.

WÜPAKA denkt weiter

Aufgrund der Anforderungen im deutschen Markt laufen in Mahenge gerade Bestrebungen um eine Öko-Zertifizierung. Hier bedarf es aber noch einiger Überzeugungsarbeit, schildert Jochen Hackstein. Wenn der Bio-Anbau in der Praxis gelingt, davon ist er überzeugt, wird er weiter an Bedeutung gewinnen. Dabei helfen die Erinnerungen an die Landwirtschaft der Vorfahren. Bewährte Schutzpflanzen und althergebrachte Nutzung des Viehdungs erlauben es, auf industriellen Pflanzenschutz zu verzichten.

Außerdem plant WÜPAKA, den Kaffee künftig in Tansania rösten zu lassen. Dieser lukrative Teil der Wertschöpfung soll so den Menschen dort zugutekommen, und die Erfolgsgeschichte des Würzburger Partnerkaffees soll dadurch ein ganz neues Kapitel erhalten.

Juli 2022

Weltladen Bad Mergentheim hilft Flüchtlingen in der Ukraine

Die Treue der Kunden, ihre Spendenfreude und der Fleiß der Mitarbeiterinnen des Weltladens Bad Mergentheim erlauben es dem Weltladenverein, ukrainischen Flüchtlingen zu helfen, die in Ivano-Frankivsk untergekommen sind. Die Förderung erfolgt auf Zuspruch des Mergentheimer Wallfahrtspfarrers Pater Hermann-Josef Hubka und in Zusammenarbeit mit KIRCHE IN NOT.

Aus unserem europäischen Blickwinkel hat sich die Welt innerhalb eines Jahres ein weiteres Mal dramatisch verändert. Die Corona-Pandemie wird kaum noch als Bedrohung wahrgenommen. Aber Europa atmet nicht auf. Während die Inflation unablässig am Wohlstand der Menschen zehrt, ist am 24. Februar 2022 auch noch der Krieg nach Osteuropa zurückgekehrt, und wo neulich noch der Glaube an den ewigen Frieden Staatsraison war, bestimmen nun Waffenlieferungen die Agenda.

Am 10. Mai meldete Radio SRF, 13,7 Millionen Menschen seien vor diesem Krieg geflohen; rund ein Drittel des ukrainischen Volkes ist auf der Flucht. 5,7 Mio. Menschen haben im Ausland Schutz gesucht. Über sie wird in unseren Medien viel berichtet. Weniger Beachtung findet, dass acht Millionen Menschen in ihrem eigenen Land Aufnahme gefunden haben. Häufig sind es Klöster und kirchliche Einrichtungen, die Flüchtlinge aufnehmen, aufopferungsvoll betreuen und versorgen.

Ivano-Frankivsk (Івано-Франківськ) hatte vor Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine rund 218.000 Einwohner. Die Hauptstadt des gleichnamigen Gebiets in der West-Ukraine liegt rund 130 Kilometer südlich von Lemberg. Nach Luhansk, ins zentrale Kriegsgebiet, sind es 1.450 Kilometer, nach Bad Mergentheim knapp 1.400 Kilometer.

Die Erzdiözese der griechisch-katholischen Kirche in Ivano-Frankivsk hat ein kirchliches Gymnasium als Zufluchtsort geöffnet. Derzeit sind dort etwa 90 Menschen untergekommen. Sie erhalten Unterkunft und Essen. Für die medizinische Versorgung steht ein Krankenhaus zur Verfügung und für die Betreuung eine Caritas-Station. Für jeden Flüchtling werden pro Tag umgerechnet zwischen elf und zwölf Euro benötigt. Das Erzbistum hat sich deshalb an KIRCHE IN NOT gewandt. Das päpstliche Hilfswerk hat die Angaben geprüft und unterstützt diese Flüchtlingshilfe wie viele andere auch.

Hier geht es nicht um Nachhaltigkeit, wie sie der Weltladen Bad Mergentheim sonst anstrebt (eine Liste der Hilfsprojekte findet sich auf der Homepage der Münstergemeinde St. Johannes Baptist). Aussicht auf Frieden besteht nicht. Die Flüchtlingshilfe in der Ukraine scheint ein Lauf im Hamsterrad, und im Verhältnis zu der Aufgabe kann der Weltladen Bad Mergentheim nur einen winzigen Beitrag leisten. Aber jeder noch so kleine Beitrag bedeutet für die Menschen, die er erreicht, eine Entlastung. Daher spendet der Weltladen Bad Mergentheim nun 10.000 Euro, um die Not der im Gymnasium von Ivano-Frankivsk untergekommenen Menschen zu lindern.

09.11.2021 - Fränkische Nachrichten

Menschen leben unter teils unvorstellbaren Bedingungen

Weltladenverein hat Engagement bei Hilfsprojekten für die kommende Förderperiode beschlossen

Alemtena, Matamba und Timor liegen weit auseinander, geographisch und kulturell. Aber an allen drei Orten leben Menschen, die uns viel über ihr Leben erzählen könnten, das ganz anders ist als ein Leben in Deutschland. Bei diesem sehr schlichten Leben unterstützt sie nun der Verein Weltladen Bad Mergentheim e.V..

Schulbildung gibt jungen Menschen ein Fundament für ihr ganzes Leben, und Bildung ist zugleich das beste Mittel gegen das starke Bevölkerungswachstum, das Afrika zu schaffen macht. Schulunterricht in Alemtena (Äthiopien) findet unter einfachsten Bedingungen statt. Schon seit vier Jahren finanziert der Weltladen Bad Mergentheim den gesamten Unterricht für eine Klasse der Grundschule, die die Stiftung Pro Fratre et Amico zusammen mit Steyler Missionarinnen dort betreibt. Diese Förderung, die Pfarrer Ralph Walterspacher aus Lauda angeknüpft hat, geht nun in die „dritte Runde“. Etwa 50 Kinder erhalten so eine vollständige Schulbildung.

Fast 2.700 Kilometer südlich, in Tansania, liegt Matamba. Schon seit 47 Jahren, berichtet Inge Dallmann, ist die Zusammenarbeit mit Matamba eine Herzensangelegenheit für Kolpingsöhne und -töchter aus Igersheim. Die Lebensfreude der Menschen in Matamba hat es Inge Dallmann besonders angetan. Doch auch in Matamba ist es für Christen nicht ratsam, jede Ecke der Stadt zu besuchen. Im Großen und Ganzen ist es dennoch ein Ort, in dem Menschen verschiedener Religionen friedlich zusammenleben. Das soll so bleiben. Einen Beitrag dazu leistet die von dem katholischen Pfarrer Father Augustin Mbiche geleitete Elementarschule mit Internat, in die Kinder unabhängig von ihrem Glauben oder ihrer Religion aufgenommen werden.

Bislang schlafen die Kinder auf dem Fußboden. Die Schule bekommt nun 90 Betten. Ganz im Sinn von Adolph Kolping sollen die Möbel von einem örtlichen Handwerker hergestellt werden. Außerdem spendet der Weltladen Bad Mergentheim noch 625 Schulbücher. Denn sie werden dringend benötigt, und die vier Euro, die ein Buch kostet, sind in Tansania viel Geld, für eine arme Familie zu viel.

Timor ist längst wieder aus den Schlagzeilen verschwunden. Weil sie sich in einer Volksabstimmung für einen Anschluss an Indonesien eingesetzt hatten, mussten viele Menschen ihre Heimat Ost-Timor verlassen und leben noch immer unter teils unvorstellbaren Bedingungen in der Grenzregion. Schwester Edgard hat als Lehrerin an der katholischen Mädchenrealschule St. Bernhard vor vielen Jahren Hilfe für sie initiiert, weil ihr Bruder, der Pfarrer Josef Roth, als Missionar vor Ort das Leid der Menschen hautnah erlebte. „Es geht um Hilfe zum Überleben“, schildert Klaus Göggelmann, der die Timor-Hilfe nun betreut. Aber Corona bremst die Schülerinnen aus. Verkaufs- und Informationsstände, mit denen sie sonst Spenden für die Ärmsten der Armen sammeln, konnten seit Anfang 2020 nicht aufgebaut werden. Hier will der Weltladen Bad Mergentheim einspringen.

Beim Verein Weltladen Bad Mergentheim e.V. ist man sich bewusst, mit den drei umfangreichen Hilfszusagen eine mutige Entscheidung getroffen zu haben, aber sicher eine gute. Die ehrenamtlichen Helferinnen in dem Laden haben auch in der Corona-Zeit bewiesen, dass sie engagiert, kreativ, klug und sparsam wirtschaften können. Und Mut ist bekanntlich eine Tugend.

27.06.2020 - Fränkische Nachrichten

Das Team des Bad Mergentheimer Weltladens freut sich, ab Juli wieder starten zu können / Veranstaltungen zum 25-Jahr-Jubiläum verschoben

„Menschen helfen, denen es nicht so gut geht“

Seit 25 Jahren ist der Bad Mergentheimer Weltladen fester Bestandteil im Leben der Kurstadt. Leiterin Rita Hofmann und ihr Team setzen sich für fairen Handel ein.

Bad Mergentheim. 25 Jahre ist es inzwischen her, dass man vom kleinen Vorläufer, dem Garagenverkauf im Weberdorf, in den ersten richtigen „Laden“ im Spital am Gänsmarkt wechselte. Der öffnete seine Pforten zwar nur zweimal monatlich samstags, fand aber schnell ein wachsendes Publikum. Seit dem 2009 erfolgten Umzug in die Zaisenmühlstraße 3 ist der Laden an fünf Tagen wöchentlich insgesamt 18 Stunden geöffnet.

Das rund zwanzigköpfige Ehrenamtlerteam leitet Rita Hofmann, die als Beruf Hausfrau angibt, als, so ihre Selbstauskunft, „Mädchen für alles.“ Im Mittelpunkt stehen will sie auf gar keinen Fall: „Es geht doch um die Sache!“ Dennoch ist sie es, bei der die Fäden des inzwischen erstaunlich weit gespannten Netzwerks um den Weltladen herum zusammenlaufen. Mehrere Firmen, Organisationen und Schulen beziehen über den Weltladen ihren „Fairen Kaffee im Büro“, bieten Ausstellungsflächen in ihren Schaufenstern, laden das Team bei Betriebsveranstaltungen zu Vorträgen und Verkaufsaktionen ein. Eigentlich man das 25-Jahr-Jubiläum – immerhin gehört der Bad Mergentheimer Weltladen zu den ersten in der Region – mit einer ganzen Serie von Veranstaltungen feiern. Geplant war für den 22. März als Auftakt des Jubiläumsjahrs ein feierlicher Gottesdienst im Münster und eine große Multivisionsshow zu Fair-Trade-Produzenten, Naturwundern und Heiligtümern im katholischen Gemeindehaus. Doch dann kam Corona und der Lockdown.

Die Auftaktveranstaltung wurde ebenso abgesagt wie die Veranstaltungen zum Weltladentag, die Aktivitäten beim Mergentheimer Nachtbummel, beim katholischen Gemeindefest und dem Sommerfest im Johann-Benedikt-Bembé-Stift. Auch die Weltladen-Bastelaktion beim Kinderferienprogramm ist gestrichen. Das Team einigte sich, in den Shutdown zu gehen. Zwar wäre der Lebensmittelverkauf im Weltladen gestattet gewesen, aber da etliche der ehrenamtlich Mitarbeitenden zur Risikogruppe gehören, war Vorsicht angesagt. Rita Hofmann und ihre derzeit gut 20 aktiven Mitstreiterinnen brachte die Schließung Trauer und Sorge, denn zu leiden haben würden unter den fehlenden Einnahmen genau die Menschen, denen der Weltladen dabei hilft, durch Fairen Handel ihre Familien zu versorgen und den Kindern schulische und berufliche Bildung zu ermöglichen.

Um so glücklicher ist das Team jetzt, ab dem 1. Juli wieder zum Normalbetrieb zu wechseln und dienstags und freitags wieder für je sechs Stunden (10 bis 13 und 15 bis 18 Uhr) und Mittwoch, Donnerstag (jeweils 15 bis 18 Uhr) und Samstag (10 bis 13 Uhr) zu öffnen – und das sogar mit einem gewachsenen Team: Etwas mehr freie Zeit hatte die Pandemie einer Dame beschert, die sich seit Jahren für den Fairen Handel interessierte. Jetzt ist sie ins Team eingestiegen.

Rita Hofmann, engagierte Mittfünfzigerin aus Würzburg, lebt seit drei Jahrzehnten in der Kurstadt. Schon immer, so die Mutter von drei erwachsenen Kindern, sei sie gern für Menschen tätig gewesen, denen es nicht so gut gehe wie ihr selbst. Die soziale Prägung dürfte schon im katholischen Elternhaus entstanden sein, das Engagement wuchs neben der Tätigkeit in mehreren beruflichen Feldern übers Mittun im Umfeld von Kindergarten und Schule, bei Kommunions- und Firmungsvorbereitung.

Einsatz für nachhaltigen Anbau

Daraus entwickelte sich Engagement im Kirchengemeinderat, kirchlichen Ausschüssen und in der Nachbarschaftshilfe, sowie im Ausschuss „Mission – Entwicklung – Frieden“ der katholischen Münstergemeinde St. Johannes Baptist. Dieser legte mit Verkaufsaktionen, ab 1992 dann mit dem Garagenverkauf im Weberdorf, den Grundstein für den Weltladen, der 1995 im Spital am Gänsmarkt als „Dritte-Welt-Laden“ seine Pforten öffnete. Vor gut zehn Jahren stieg Rita Hofmann engagiert in die Weltladenarbeit ein und fuhr sukzessive ihre anderen Ehrenämter zurück.

Engagiert werben sie und das Team für den Fairen Handel, der mit langfristigen Geschäftsbeziehungen Bauern und Handwerker unterstützt, ausbeutender Kinderarbeit den Riegel vorschiebt, menschenwürdige Arbeitsbedingungen und nachhaltigen Anbau ermöglicht sowie lokale Projekte und Bildungsmöglichkeiten fördert.

Das Lebensmittelsortiment umfasst neben Kaffee, Tee und Schokolade auch Grundnahrungsmittel wie Reis, Quinoa, Hülsenfrüchte, Trockenobst, Nüsse und weitere Leckereien. „Die Qualität stimmt“, lobt Kundin Anne Rauscher, die sich freut, auf diesem Weg auch Frauenprojekte unterstützen zu können.

Dass der gesamte Gewinn in Hilfsprojekte geht, über den Weltladen ein persönlicher Bezug zu den Projekten wächst und dass einem hier Geschenkideen nur so zufliegen, ist für Renate Dietzel ein Plus für den Einkauf im liebevoll gestalteten Laden. Ute Göggelmann schätzt, dass es hier ein gutes Sortiment gebe, dass durch Waren ergänzt wird, die es nur hier gibt. Außerdem kann man sich über Fairen Handel informieren.

Beate Saile liebt den Dienst im Weltladen: Immer wieder ergeben sich motivierende Gespräche mit langjährigen Kunden und interessierten Schnupper-Käufern, die die Waren wertschätzen. Auch werde ihr gutes Händchen für die Dekoration von den Kunden gelobt. Inge Maske ist schon sehr lange mit Begeisterung bei Aktionen und im Laden dabei. Gabriele Olesch schätzt den engen und achtsamen Austausch im Team und mit den Kunden und die stimmigen Projekte. „Das sind wir“, bestätigt Rita Hofmann mit Blick auf die aktuellen Projekte.

Ungeschmälert fließen heuer die im Verkauf erwirtschafteten Erlöse in ein Auto für die Seelsorge in einer griechisch-katholischen Diaspora-Gemeinde in Kasachstan.

Weiterhin wird auch das 2018 angelaufene äthiopische Schulprojekt der Laudaer Familie Walterspacher unterstützt, die 2006 die Stiftung „Pro Fratre et Amico“ ins Leben gerufen hat. Am Dienstag, 6. Oktober wird Pfarrer Ralph Walterspacher im Weltladen über das Projekt berichten.

21.09.2019 - Fränkische Nachrichten

Weltladen Bad Mergentheim: Zwei Förderprojekte aufgegleist

Ein Auto für die Seelsorge und eine Schulklasse in Äthiopien

Der Verein Weltladen Bad Mergentheim e.V. hat auf seiner Jahreshauptversammlung den Vorstand im Amt bestätigt und die Hilfsprojekte festgelegt, in die der Erlös aus dem Ladenbetrieb und die Spenden in den Jahren 2020 und 2021 fließen sollen.

Dank der Treue seiner Kunden zum fairen Handel, des großen Fleißes der ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, der Unterstützung durch die katholische Münstergemeinde St. Johannes Baptist und vieler Spender stehen wieder zwei Hilfsprojekte auf der Agenda.

Neu ist die Unterstützung für die Seelsorge in der jungen griechisch-katholischen Gemeinde zum Heiligen Propheten Elias in Satpajew (Kasachstan). Der Weltladen Bad Mergentheim finanziert dort mit 10.000 € in organisatorischer Zusammenarbeit mit KIRCHE IN NOT und dem in Bad Mergentheim aufgewachsenen, vielen als Wallfahrtsseelsorger bekannten Pater Hermann-Josef Hubka einen neuen Personenwagen für die Seelsorge.

Satpajew ist eine 1954 als sozialistische Arbeitersiedlung gegründete Stadt mit über 71.000 Einwohnern, 550 km westlich von Karaganda. Die Stadt liegt im überwiegend muslimischen Kasachstan. Die Katholiken sind unter den in früheren Jahrhunderten christlichen Kasachen heute mit ca. 2% eine kleine Minderheit. Durch die Neulandsiedler kamen um 1900 viele russlanddeutsche Katholiken in den Norden Kasachstans. Nach 1941 wurden zahlreiche Menschen verschiedener Konfessionen und Nationalitäten (Deutsche, Ukrainer, Polen, Balten) von den Kommunisten nach Kasachstan und Zentralasien deportiert. Viele von ihnen haben ihren Glauben auch in Zeiten der schlimmsten Verfolgung bewahrt.

Seit dem Zerfall der Sowjetunion hat das religiöse Leben in dem Land zwischen Europa und China einen Aufschwung erlebt. 1990 gab es noch rund 670 Gebetsstätten, heute sind es deutlich über 3100, davon rund 2.300 Moscheen und weniger als 100 katholische Kirchen.

Die zumeist ukrainischstämmigen griechisch-katholischen Christen in Satpajew feiern die Messe in einer typischen Holzkirche in der Siedlung Vesovaya. Es ist eine lebendige Gemeinde in der Diaspora. Pfarrer Andrij Nedostup bietet für Kinder „Ferien mit Gott“ an, und jährlich findet eine Pilgerfahrt nach Kengir statt, zu einer Gedenkstätte des stalinschen Terrors. Der Pfarrer muss vielen Gläubigen zu Hilfe kommen. Sie können aufgrund ihres Alters oder ihrer Gebrechen nicht alleine in die Kirche kommen, müssen abgeholt werden und heimgebracht. Der Pfarrer erklärt: „Ohne Auto kann ich auch nicht die Sakramente spenden und seelsorgerische Besuche bei Bedürftigen machen“. Dies will ihm der Weltladen Bad Mergentheim ermöglichen.

Wie schon 2018 und 2019 engagiert sich der Weltladen Bad Mergentheim auch in den beiden kommenden Jahren bei der Stiftung „Pro Fratre et Amico“, für die der Laudaer Pfarrer Ralph Walterspacher und sein Vater stehen. Denn Lernen braucht Zuwendung, Zeit, einen Leitstern und Kontinuität. Und Lernen ist Hilfe zur Selbsthilfe. Der Wunsch, auch hier nachhaltig zu helfen, hat den Weltladen Bad Mergentheim e.V. bewogen, dieses Schulprojekt zwei weitere Jahre zu unterstützen. Durch 3.500 Euro Spenden pro Jahr werden wieder die gesamten Kosten für eine Schulklasse in Äthiopien übernommen.

01.08.2019 - BlickLokal

Brunnenprojekt abgeschlossen - Sauberes Wasser fließt

Intensiv hatten die Verantwortlichen des Vereins Weltladen Bad Mergentheim e.V. mit sich gerungen, ob der Bau eines Brunnens in Umumilo (Nigeria) nicht zu groß wäre. Sauberes Wasser ist ein Beitrag dazu, dass Menschen in ihrer Heimat besser leben können und dortbleiben. Ein Brunnen ist Hilfe zur Selbsthilfe. Andererseits waren da die warnenden Stimmen, die Aufgabe nicht zu unterschätzen. Letztlich gaben Gottvertrauen und die Erfahrung von Pater Basil den Ausschlag, der schon einen Brunnen in seinem Heimatort Umumilo hatte bauen lassen. Wie abenteuerlich die Verhältnisse dort sind, sollte sich in den folgenden Jahren zeigen. Galoppierende Inflation folgte auf den Verfall des Ölpreises.

Die Regenzeit erlaubt es seit jeher über Monate hinweg nicht, Bauarbeiten durchzuführen, und die Mentalität der Menschen macht es schwer, zu planen. Tiefgreifende technische Schwierigkeiten warfen den Bau zurück. Eine harte Zeit begann für Pater Basil. Im Jahr 2018 kam dann die Nachricht, der Ingenieur, der den Bau bis dahin begleitet hatte, sei verschwunden. Die ohnehin angeschlagene Baustelle stand still. Eine neue technische Leitung musste gefunden werden. Das nun beauftragte Unternehmen stellte im Frühjahr 2019 sein 630 Meter tiefes Brunnenloch fertig, und groß war die Erleichterung, als vor einigen Wochen Bilder aus Umumilo kamen, auf denen zu sehen war, wie das Wasser floss. Es ist, wie Pater Basil nun berichtete, sauberes Wasser. Ein Aggregat muss noch angeschafft werden, und Hochbehälter aufgestellt, die als Wasserspeicher dienen. Dann gilt es, den laufenden Brunnenbetrieb zu organisieren. Die künftigen Unterhaltungskosten müssen durch den Wasserverkauf gedeckt werden, um den Brunnen langfristig für die Menschen zu erhalten. Es war ein langer, steiniger Weg, aber hat zu einem guten Ende geführt.

Ein herzliches „Vergelt’s Gott“ geht an dieser Stelle an die ungezählten Spender und an jeden, der auf seine Weise zum Gelingen beigetragen hat.

19.06.2019 - BlickLokal (Stefanie Harnisch)

Weltladen Bad Mergentheim – Fachgeschäft des Fairen Handels

Gründung

Der Vorgänger des heutigen Weltladens entstand unter dem Dach der katholischen Münstergemeinde St. Johannes Baptist als Projekt des Ausschusses „Mission – Entwicklung – Frieden“. 1992 begannen die Aktivitäten rund um den Fairen Handel in Bad Mergentheim im Kleinen: ein Garagenverkauf im Weberdorf war der Anfang. 1995 zog man ins Spital am Gänsmarkt und öffnete zweimal monatlich samstags. 2009 schließlich erfolgte der Umzug in die Zaisenmühlstraße 3 in Bad Mergentheim. Der gemeinnützige Verein „Weltladen Bad Mergentheim e.V.“ wurde dann am 13. Juli 2012 gegründet. Der Umzug und die Vereinsgründung eröffneten neue Möglichkeiten. Im Herbst wird das 10-jährige Jubiläum des Weltladens an diesem Standort gefeiert. 2020 kann bereits das 25-jährige Vereinsjubiläum begangen werden. Der Verein Weltladen e.V. bemüht sich, die laufenden Kosten des Ladenbetriebs durch Beiträge und Spenden aufzubringen und versteht sich als kirchennaher Verein. Vereinsziel ist es, mit dem im Weltladen erwirtschafteten Geld konkrete Projekte der von der römisch-katholischen Kirche mitgetragenen Missions-, Entwicklungshilfe- und Friedensarbeit zu fördern. Aktuell spendet der Weltladen Bad Mergentheim pro Jahr ca. 8000 Euro.

Das Team im Weltladen

Im Weltladen Bad Mergentheim zeichnet Rita Hofmann für den Einkauf verantwortlich. Dabei unterstützt sie vor allem kleine Lieferanten (ca. 20 Anbieter), die vom Fairen Handel anerkannt sind. Beim Einkauf gibt sie sich sehr viel Mühe, um viele verschiedene, individuelle Produkte anbieten zu können. Die Transparenz ist durch eine detaillierte Ausschilderung der Produkte gewährleistet.
Das bunt gemischte Team rund um den Weltladen besteht derzeit aus 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern plus Vorstandschaft – alle setzen sich ehrenamtlich und vollkommen unentgeltlich für mehr Gerechtigkeit in der Welt ein und unterstützen somit zugleich auch Hilfsprojekte für Mission, Entwicklung und Frieden. Sie tragen sich nach ihren Wünschen und Möglichkeiten zum Ladendienst ein oder übernehmen andere Aufgaben rund um den Ladenbetrieb. Die Schichten können gut abgedeckt werden, da der Ablauf professionell organisiert ist. Im Weltladen bündeln sich auch Vielfalt und unterschiedliche Lebenserfahrungen: Die Altersspanne des Ladenteams liegt zwischen 30 und 80 Jahren. Rita Hofmann lobt dabei die tolle Gemeinschaft und kümmert sich auch sehr engagiert um die einzelnen Mitarbeiter im Weltladen.
Für Rita Hofmann ist der Weltladen dreifach gut: Zum einen unterstützt er den Fairen Handel in Lateinamerika, Asien etc. vor Ort, die Menschen können im Land bleiben, weil sie eine wirtschaftliche Erwerbsgrundlage und Perspektive haben. Dann bietet der Weltladen gesunde, hochwertige Bioprodukte und Handwerkskunst an. Zum dritten fließt der Erlös durch Spenden des Weltladens Bad Mergentheim zurück in die armen Länder.

Aktivitäten des Vereins

Viele weitere Aktivitäten bietet der Verein seinem Team an: So sind der Stammtisch, die Ausflüge und die gemeinsamen Kochabende tolle Gemeinschaftsaktionen, die gut besucht werden.
Auch öffentliche Aktionen wie das „Faire Mittagessen“ im Herbst kommen gut an. So kocht hier delikat-fineCatering im Mittelstandszentrum Bad Mergentheim mit den fair gehandelten Produkten des Weltladens, der Verein übernimmt den Service. Weitere Aktivitäten zeigen das große Engagement des Vereins: Beim Würth-Familientag wird eine Filzwerkstatt angeboten. Auch beim Weltladentag, beim Schlosserlebnistag oder beim Sommerferienprogramm der Stadt Bad Mergentheim, bei der Fairen Woche im Herbst etc. ist der Verein mit seinem Produktangebot präsent. Darüber hinaus zählen Ausstellungen in großen Bankhäusern der Kurstadt zu den Erfolgen. „In den letzten Jahren gelang der Aufbau eines großen Netzwerkes, das den Verein vorangebracht hat“, stellt Rita Hofmann zufrieden fest.

Welche Produkte werden im Weltladen angeboten?

Oftmals werden Naturmaterialien oder auch Abfall wie altes Blech oder Dosen verarbeitet. Daraus entstehen originelle Produkte wie z.B. ein Handklavier oder Einkaufstüten aus Seegras. Viele Holzprodukte sind im Angebot: Salatbesteck, Untersetzer, Schalen. Schmuck wird aus Taguanuss, der Capriz-Muschel, aus Orangenschalen, aus Metall, aus Filz, aus Knöpfen etc. hergestellt. Zu entdecken sind neben Schokolade, Tee, Textilien auch Accessoires wie Taschen oder kleine Geschenkideen wie Kerzen. Ledergeldbeutel, Spielzeug, Körbe, Einkaufstaschen werden ebenfalls angeboten. Doch der Weltladen hält noch viel mehr bereit: Eine exotische Papierabteilung und ein einladender Wellnesstisch mit Seifen, Salzen, Cremes und Ölen. Viele Kunden kaufen Geschenkgutscheine und sind oftmals überrascht vom breiten Sortiment. Wer eine bewusste Einstellung zu Lebensmitteln hat, wird im Weltladen fündig: Bei hochwertigen Produkten relativiert sich der Preis, da Qualität und besondere Ergiebigkeit gegeben sind: Ein Beispiel dafür ist bei niedriger Temperatur Langzeit gerösteter Kaffee. Zudem werden individuell zusammengestellte Geschenkkörbe verkauft.

Aktuelle Projekte

Der Weltladen Bad Mergentheim unterstützt aktuell 3 Projekte: Das Armenkrankenhaus „Policlínicos Social Aleman Espíritu Santo“ in Arequipa /Peru hat der Weltladen Bad Mergentheim bereits 2013 und 2014 unterstützt. Nun soll mitgeholfen werden, die laufende medizinische Versorgung der täglich über 2.000 Patienten zu sichern.
Die Stiftung „pro fratre et amico“ unterstützt zusammen mit Pfarrer Ralph Walterspacher aus Lauda in Äthiopien und im Südsudan Einrichtungen der Steyler Missionare. Der Weltladen Bad Mergentheim will die Kosten für einen Lehrer und seinen Unterricht aufbringen, um Kinder statt zur Arbeit zur Schule gehen zu lassen.
Daneben sollen Berthold Ludwig aus Unterbalbach und Wolfgang Spinner aus Werbach bei ihren Hilfstransporten in Zusammenarbeit mit Pfarrer Thomas Kuhn aus Werbach dabei unterstützt werden, Hilfsgüter wie z.B. Krankenbetten in den Kongo zu bringen.

Definition Fairer Handel

Der Faire Handel orientiert sich an festgelegten Kriterien: So ist das Ziel, Kleinbauern und Handwerkern in Südamerika, Asien und teils auch in Afrika mehr Geld für ihre Produkte zu zahlen, keine Kinderarbeit zu dulden, und langfristige Lieferverträge abzuschließen, um den Menschen vor Ort eine Perspektive zu eröffnen – oft auch durch Anschubfinanzierungen. Außerdem muss der ökologische Standard und Arbeitsschutz eingehalten werden und es werden Bioprodukte verlangt. Verschiedene Organisationen wie z.B. GEPA oder DWP betreuen Kooperativen – also Zusammenschlüsse von Kleinbauern vor Ort. Die Verhandlungen werden dabei immer auf Augenhöhe geführt. Auf der einen Seite wird die Nachfrage berücksichtigt, auf der anderen Seite aber auch, was die Kleinbauern leisten können. Dabei bleibt die Wertschöpfung im Land, weil viele Produkte wie Schokolade, spezielle getrocknete Mangos etc. komplett fertig und verpackt im Herkunftsland nach Deutschland exportiert werden. In den Kooperativen werden dringende Infrastrukturmaßnahmen unterstützt, die die Menschen vor Ort voranbringen. Vom „Faire Trade“-Zeichen hat sich der Faire Handel distanziert, weil es durch die Politik des Gesamtmengenausgleichs, der großen Discountern und Handelsketten gewährt wird, bereits sehr verwässert ist. Wichtig zu wissen: GEPA arbeitet weit über das Niveau von „Fair Trade“ hinaus. Der Weltladen hat sich zur Auflage gemacht, Produkte mit mindestens 50- prozentigem Anteil aus Fairem Handel zu beziehen, zumeist liegt der Wert weit höher. Es lohnt sich also genau hinzusehen!